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Klischees zu Weihnachten

  • von
Patricia Prezigalo Klischee Weihnachten


Hallo liebe Lesewesen

Es weihnachtet heftig. Bunte Lichter und Glühweinduft hängen über unseren Köpfen. Und gestresste Geschenkejäger zieren die Strassen und Shoppingcentern. Über die Bildschirme und andere Mattscheiben flittern Weihnachtsfilme oder Serien, die verweihnachtlicht wurden. Weihnachten macht auch vor Büchern nicht halt. Und eines haben diese Geschichten sehr oft gemeinsam. Sie sind so kitschig, die müssen ein Klischee sein. Oder?

Aber was ist ein Klischee? Ein Klischee war einmal eine so nützliche Erzähltechnik, Formulierung oder Idee, dass sie so oft wiedergekaut wurde und jetzt schal und abgelutscht ist wie ein alter Kaugummi. Und wenn wir an einen alten Kaugummi denken, ist Weihnachten vermutlich nicht das, was uns dazu einfällt. (Wenn schon, dann habe ich eine Frage: Wieso?) Aber damit ist Weihnachten noch lange nicht vom Haken.

Wenn es um Weihnachten geht, gibt es viele wiederkehrende Erzähl- und Stilmittel, die wir sofort wiedererkennen. Lass mich meine Klischeelupe hervornehmen und sie untersuchen. Sind sie ein Klischee? Und wenn sie ein Klischee sind, darf man sie dann nicht mehr benutzen? Ich kann hier nicht alle aufzählen, sonst müsste ich ein Buch darüber schreiben und dazu habe ich keine Lust. Mehr als drei gibt es nicht und wenn du mehr willst, dann wünsch sie dir vom Nikolaus / Weihnachtsmann / Christkind / der guten Fee / einer anderen geschenkebringenden Partei.

1. Weihnachtspanorama

Bücher und Filme rund um Weihnachten haben eines gemeinsam. Ein wunderbares Weihnachtspanorama. Ob mit Schnee oder ohne, religiös oder weltlich, kitschig oder mega-ultra kitschig, märchenhaft oder berauschend, aber immer so gewaltig, dass man den Plätzchenduft (Guetzli bei uns in der Schweiz) und die Apfel-Zimt Duftkerzen beinahe riechen kann. Kein anderer westlicher Feiertag wird gleichermassen in Filmen, Büchern etc. zelebiert oder hat so viele Klischees allein im Setting: geschmückter Baum, Kerzen, Mistelzweig, etc. Oder kennt ihr mehr als fünf Bücher, die Ostern zum Panorama haben?

Das hat einen guten Grund. Weihnachtsgeschichten liest man wegen Weihnachten. (Schocker, ich weiss.) Wir haben die Szenerie so oft immer und immer wieder in all unseren Medien gesehen, dass sie uns, ob wir wollen oder nicht, durchs Leben begleitet hat. Wir verbinden sie meist mit vielen schönen Erinnerungen. Es wird deswegen von uns oft nicht als Klischee wahrgenommen, denn es weckt unsere Nostalgie. Viele Lesewesen unserer westlichen Hemisphäre sehnen sich nach einem Panorama, das sie kennen und lieben. Nach Adventszeit und heiler Welt.

Und wenn das Buch oder der Film eine grossartige Geschichte bietet, habe ich überhaupt kein Problem mit dem Weihnachtspanorama. Es ist ein Klischee, aber ein gern gesehenes.

Schwierig finde ich es erst dann, wenn die ganze Handlung in einem Buch sich auf eine Schneeballschlacht und das Geschenkeauspacken, evtl. noch ein Weihnachtsessen beschränkt, also nur existiert, um die Nostalgie von Lesewesen auszuschlachten. Oder die Geschichte einfach nur schlecht ist und das mit Weihnachten zu kaschieren versucht. Das ist offensichtliches Geldabgreifen und definitv keine gute Art ein Klischee zu verwenden.

2. Der «wahre» Sinn von Weihnachten

Weihnachten, das Fest der Geschenke und des Konsums, ist eine hinlänglich bekannte Kritik dieses Feiertags. Deswegen gibt es eine grosse Anzahl von Filmen und Büchern, die nach dem wahren Sinn von Weihnachten suchen. So viele Geschichten, dass es inzwischen ein Klischee geworden ist.

Ich kenne es vor allem in drei Spielarten:

  1. Die religiöse Art, wo Weihnachten die Geburt von Jesus Christus ist und das ganze Drumherum nicht wichtig ist. Put Christ back in Christmas… oder so ähnlich.
  2. Geben ist seliger als Nehmen. Das Klischee, bei dem man besonders an Weihnachten mehr an seine Mitmenschen, als an sich selbst denken sollte. Der berühmteste Vertreter hier ist Charles Dickens «A Christmas Carol» sowie all die Reinterpretationen davon.
  3. Zusammensein mit Freunden und Familie; die Liebe, die man füreinander hat, das alles steht über dem Schenken und dem Essen oder anderen Dingen, die man tun will. Z.B. in «The Nightmare Before Christmas».

Alle drei Spielarten sind Klischees, die schon zu Tode verwendet wurden. Jedoch bei Weihnachten geht es, wie schon erwähnt, eben auch um die Nostalgie nach dem Bekannten und Bewährten. Also … ja, das Klischee verwenden, wenn man eine gute Geschichte dazu hat.


3. Alle feiern Weihnachten.

Und zu guter Letzt, das alle feiern Weihnachten Klischee. Das ist etwas, was oft in Serien (animiert, verfilmt oder geschrieben) und Comics etc. vorkommt. Wenn alle Figuren plötzlich Weihnachten feiern, auch die, die keine Christen sind. Na ja, das kann man noch durchgehen lassen, da Weihnachten in unserer Kultur weit verbreitet ist. Aber lächerlich wird es in Serien, die in Welten spielen, die kein Christentum kennen. Und trotzdem feiern sie Weihnachten, aber sie nennen es einfach anders.

Auch das ist eine Art an die Nostalgie zu appellieren, nur gefällt mir das nicht sonderlich. Das macht aber nichts, da es einer Mehrheit gefallen muss, sonst gäbe es die ganzen Weihnachtspecials nicht mehr.


Weihnachtsklischees: Yay oder Nay?

Klischees sind nicht per se schlecht. Auch wenn sie ausgelutscht sind, dürfen sie uns auch einfach gefallen, ohne dass man sich dafür rechtfertigen müsste.

Und für alle die noch ein Last Minute Geschenk suchen: Wie wäre es mit einem Buch? Von mir?

Patricia Prezigalo Liebe ist blind Buch

Darin ist zwar Sommer, aber hey, du kannst gerne eine Apfel-Zimt Duftkerze dazulegen und ein paar Guetzli, dann wird sich sicher niemand beschweren.

Ich wünsche allen schöne, friedliche und ruhige Feiertage, im Kreise deiner Lieblingsmenschen, sowie ganz viel Zeit zum Lesen.

Vielen Dank dafür, dass du bis zum Schluss gelesen hast. Wenn dir mein Beitrag gefallen hat, dann schenk mir doch ein Like, ein paar Sterne oder teile ihn mit deinen Freunden.

Ich poste jede Woche einen neuen Beitrag rund ums Thema Schreiben, Geschichtenerzählen und alles drumherum. Sei dabei, oder auch nicht, ich bin nicht deine Chefin. Aber ich würde mich freuen dich wiederzusehen.

Liebe Grüsse, Patricia

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