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Klischeehaft schlechte Kommunikation

  • von
Patricia Prezigalo schlechte Kommunikation

Hallo wunderbares Lesewesen, schön bist du da.

Heute wage ich mich an ein neues Klischee. Was ist gemeint, wenn ich von Klischees in Büchern und Filmen spreche? Ein paar Beispiele gefällig:

  • der mürrische Teenager,
  • das Mauerblümchen, das es endlich wagt aus dem Alltagstrott auszubrechen,
  • der aalglatte Geschäftsmann, der hinter seiner Fassade so viel mehr verbirgt.

Die letzten Male habe ich Klischees vorgestellt, zu denen man gute und innoviative Anwendungsmethoden finden kann. Wenn ihr das verpasst habt, dann findest du das

  • Schicksal Klischee hier
  • Fluch der Schönheit Klischee hier.
  • Weihnachten Klischee hier

Heute widme ich mich allerdings einem Klischee, das ich nicht leiden kann, weil es sehr selten gut umgesetzt und oft nur ein billiger Trick ist, um künstlich Spannung zu erzeugen.

Ich nenne es:

Schlechte Kommunikation ist tödlich

Sie ist natürlich nicht wortwörtlich tödlich, meistens zumindest. Es ist trotzdem tödlich, für die Qualität der Geschichte.

Warum?

Weil es in den meisten Genres vorkommt und zwar schlecht umgesetzt.

Ihr kennt sie sicher auch, die Geschichten, in denen die Protagonisten nicht miteinander sprechen, sich nicht ausreden lassen und dadurch tragische (oder tragikomische) Missverständnisse entstehen, in denen zum Teil lebenswichtige Informationen unterschlagen werden.

Ein offenes Gespräch und das Buch hat keine Handlung mehr.

Die guten Beispiele der schlechen Kommunikation:

Natürlich passiert das auch im richtigen Leben, dass Menschen ihre Informationen nicht weitergeben und dadurch Katastrophen verursachen. Deswegen wird es so oft in Büchern verwendet.

Aber Bücher und die Realität funktionieren nicht gleich. Ein Missverständnis oder Kommunikationsfehler ist in Geschichten nur dann glaubwürdig, wenn der Protagonist aufgrund eines Charakterfehlers, den er hat, etwas verschweigt oder falsch darstellt.

Wie z.B. er ist schüchtern, paranoid, stumm, Stotterer, Zweifler, spricht die Sprache schlecht,  chronischer Lügner oder hat Schwierigkeiten zu vertrauen oder blindes Vertrauen in einen Sektenführer, etc.

Grundsätzlich sollte das Missverständnis entstehen, weil eine der Figuren ihr Manko nicht in den Griff bekommen kann, damit sie aus der Tragödie lernen kann, um besser (bzw. schlechter) zu werden oder deswegen stirbt.

  • Dracula: die Gentlemen versuchen Mina vor der Wahrheit zu schützen. Aber das ist ein Fall von guter Anwendung, da es zu den Charakteren und ihrer Epoche passt.
  • Ender‘s Game: das Buch hat andere Schwachpunkte, die mir nicht gefielen, aber dass das grosse Geheimnis vor Ender bewahrt wird, ist ein Fall von perfekt umgesetzt. Genau darum geht es im Buch.

Die schlechten Beispiele, der schlechen Kommunikation

Ein Missverständnis einzubauen, das weder zur Situation oder zum Charakter passt, ist nervig und unglaubwürdig.

Ich sehe das oft in Geschichten, wo ein Liebespaar mehrere Kapitel lang die „schlimmsten Qualen“ durchstehen muss, wobei sie all ihre Probleme in einem 5 minütigen Gespräch klären könnten. Sie tun es aber nicht, weil… Kommunikation ist für Loser? Keine Ahnung, weil das Buch sonst noch langweiliger wäre?

Ein anderer unausstehlicher Anwendungsfall dieses Klischees, ist, wenn jemand dem Protagonisten einen wichtigen Hinweis geben will und es dann nicht zu Ende sagt, weil sie von jemand anderem unterbrochen wurden. Und dem Protagonisten fällt auch nicht ein diese Person nachher nochmals aufzusuchen, um zu fragen. Wieso auch? Sonst hätten wir kein Missverständnis.

Oder als Variante, wenn dem Protagonisten am Telefon gesagt wird: «Du glaubst ja nicht was ich herausgefunden habe. Aber ich kann es dir nicht am Telefon sagen, obwohl ich mich mit diesem Telefonanruf schon so verraten habe, dass ich in der nächsten 2 Stunden umgebracht werde. Wir treffen uns in 4 Stunden am geheimen Ort und ich erzähle dir alles in Ruhe…»

Oder der nervigste Fall von allen:

Die Verwendung von Pronomen, statt Namen. Das wird so selten glaubwürdig gemacht.

  • «Wenn sie kommt, werdet ihr alle sterben.»
  • -«Wer ist sie?»
  • «Das wirst du dann schon sehen.»
  • -«Nein ernsthaft, sag es mir.»
  • «Nein keine Chance, sonst ist die Spannung weg.»
  • -«Es dauert buchstäblich nur eine Sekunde länger mir ihren Namen zu sagen.»
  • «Nein, das geht nicht. Ich muss sterben, bevor ich es dir verraten kann.»
  • -«Ich finde es sowieso heraus.»
  • «Ja, ich weiss. Aber ich muss jetzt sterben, damit die Geschichte ein bisschen Spannung bekommt. Tschüss.»
  • -«Ja, Tschüss. Bis zum nächsten Mal, wenn ich eine kryptische Ankündigung brauche.»
  • «Etwas mehr Respekt, ich habe mein Leben geopfert, um dir die Nachricht zu überbringen.
  • -«Meinen Respekt bekommt nur wer mir ihren Namen sagt oder eine andere Information zu ihr, mit der ich etwas anfangen könnte.»
  • «Bin tot, kann nicht antworten.»
  • Im Film Batman v Superman, Dawn of Justice: Superman, sag es ihm einfach. Nein? Keine Lust? Okay.
  • Im Anime Another, sagt niemand dem neuen Schüler, was los ist, obwohl es buchstäblich lebensnotwendig ist. Trotzdem ein empehlenswerter Anime, aber gruselig und gewalttätig. Nichts für Kinder.
  • Romeo und Julia. Sie sterben beide am Ende, weil sie eine Information nicht rechtzeitig bekommen.
  • Frozen: Niemand sagt Ana, was mit Elsa ist.
  • Percy Jackson. In jedem einzelnen Buch der Serie. Immer, wenn ihm jemand etwas Wichtiges verraten will, werden sie unterbrochen, und nachfragen ist nicht … cool?

Kennt ihr weitere Filme und Bücher wo schlechte Kommunikation ein schlimmes Missverständnis auslöst? Ich freue mich eure Kommentare dazu zu lesen.

Vielen Dank dafür, dass du bis zum Schluss gelesen hast. Wenn dir mein Beitrag gefallen hat, dann schenk mir doch ein Like, ein paar Sterne oder teile ihn mit deinen Freunden.

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